Die Münchner Au

Nach unserem erneuten Umzug in das Wirtshaus am Gebsattel, dem "Land unter", residiert der Münchner Schachclub Zugzwang 1982 nun wieder in der Au. In der Oberen Au muss man sagen, um genau zu sein. Hier findet man sich wieder in der Gesellschaft berühmter Geister, wie dem des Karl Valentin, der ja heute noch in vielen Münchner Köpfen herumspukt ... Andere namhafte Münchner, die hier leben oder gelebt haben, sind der Großmeister Gerald Hertneck oder der Schriftsteller Carl Amery, der Dirigent Julius Karr-Bertoli, die Maler Hans Prähofer oder Rupert Stöckl. Auch der erste Sozialdemokrat im Münchner Gemeindekollegium, Georg Birk, stammt aus der Au, die traditionell ein Herbergenviertel der Handwerker und Tagelöhner ist. Sie entwickelte sich in ihrer geschichtlichen Entwicklung zur Arbeitervorstadt. Davon ist dieser Stadtteil, der 1992 mit Haidhausen zum 5. Stadtbezirk zusammen geschlossen wurde, noch heute geprägt, obwohl die alte Bebauung im zweiten Weltkrieg zu 80% zerstört wurde.

Die Menschen hier sprechen zum Teil noch den uralten Münchner Dialekt, der sich vom Bayerischen unterscheidet. Die Au umfasst 128 ha, die sich vom Gasteig am Isar-Ufer entlang, bis zum Brudermühltunnel erstrecken. Sie teilt sich in die untere und die obere Au. Das Isarufer hat hier einen Höhenunterschied von 15 m. In der Au liegt die Mariahilfkirche neben dem Landratsamt, das quasi auf exterritorialem Gelände siedelt. Bekannt ist der Stadtteil in München durch die Auer Dulten, die vor der Mariahilfkirche stattfinden, oder durch das Theater am Entenbach in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus von Karl Valentin. Weltweit kennt man aber natürlich die Starkbieranstichzeit, wenn auf dem Nockhergberg das 'Derbleckn' der Politiker im Paulaner zelebriert wird. Am darauf folgenden Freitag ist dann das "normale" Volk willkommen und darf 16 Tage lang "Münchens 5. Jahreszeit", die Starkbierzeit, auf dem Nockherberg genießen.
Durch einen Großbrand wurde am 23. November 1999 das Traditionslokal am Nockherberg (damals hieß es noch Salvatorkeller) bis auf die Grundmauern zerstört. Von 2001 bis 2002 fand deshalb die weit über München hinaus beliebte Veranstaltung in einem Provisorium auf dem Mariahilfplatz statt.
Pläne für eine Wiedererrichtung wurden 2001 der Bevölkerung vorgestellt und die Bauarbeiten im März 2003 abgeschlossen. Die Neueröffnung des "Paulaner am Nockherberg" sollte mit dem Starkbieranstich am 20.03.2003 erfolgen, der wurde aber wegen dem beginnenden Irak-Krieg abgesagt.
Am 11. März 2004, um 11:30 Uhr, war es dann endlich so weit, zum ersten Mal beginnt die Starkbierprobe mit dem Politiker-Derblecken im neuen Saal des "Paulaner am Nockherberg", mit Bruno Jonas als Festredner, dem neuen "Bruder Barnabas".

1289 wird die Siedlung Au bei München erstmals urkundlich erwähnt und 1347 wird am Auer Mühlbach "auf der Insel" (heute Kegelhof) die erste Papiermühle im Münchner Raum gegründet. Danach
beginnt 1401 die Anlage von Sommersitzen und Lustgärten in der Au, unweit der Lilienstraße, 1511 erbaute Herzog Wilhelm IV. das Jagdschloss Neudeck in der Au. Ab 1612 gab es ein "Gericht Au nebst München", das bis 1802 bestand. 1627 errichteten Paulanermönchen hier das Kloster, aus dem die berühmte Paulaner-Brauerei entstand, und übernahmen die Seelsorge. 1808 wurde die Au von Karl Theodor zur Vorstadt von München erhoben, sie hatte einen selbständigen Magistrat, ein eigenes Wappen und zwei Jahrmärkte, 1813 wurde die Au zur eigenständigen Stadt erhoben. 1835 zählte die Vorstadt Au bereits 12.000 Einwohner, was damals einem Drittel der Münchner Einwohnerzahl entsprach. 1839 wird am 25. August nach achtjähriger Bauzeit die Pfarrkirche Mariahilf geweiht. 1854 wurde die Au von München eingemeindet

Der Auer Mühlbach mit dem heutigen Verlauf (Ableitung links von der Isar bei Harlaching) entstand unter Herzog Wilhelm V. Ende des 16. Jahrhunderts. Bereits 957 wurde ein Auer Mühlbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Bach wurde zur Abwasserableitung benutzt und diente als Energielieferant für Handwerksbetriebe. Ein Beispiel dafür war die von Carl von Linde erfundene Eismaschine zur Kühlung des Paulaner Bieres, die auch heute noch funktionstüchtig ist.
Heutzutage entdeckt man zunehmend den Freizeitwert des Baches. Im Jahr 2000 wurde Am Neudeck begonnen, die Überbauung des Baches wieder zurück zu bauen. Die Freigabe der Wege für die Auer BürgerInnen erfolgte aber erst ab Mitte 2002.

(Text: Peter Heinrichsen)