Liebe Schachfreunde,

Am letzten Wochende mussten wir in der 1. Bundesliga unsere weiteste Reise antreten, und zwar nach Hamburg, zum Auswärtskampf gegen den HSK und St. Pauli. Es war klar, dass uns zwei harte Kämpfe bevorstehen, und so kam es dann auch. Gespielt wurde in der sehr repräsentativen und noblen Gerd Bucerius Law School, nahe dem Park Planten und Blomen. Hier der Blick in den Spielsaal.

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Ich hatte stark aufgestellt, denn in unserer Tabellensituation zählt jeder Punkt, und so traten wir mit 7 Großmeistern und einem Fast-GM (Valentin ist noch IM und hat 2500 Elo) an. Am ersten Tag spielten wir übrigens gegen die "halbe" Nationalmannschaft, nämlich die beiden Svanes und den Bundestrainer GM "Gusti". Und parallel bot übrigens Deizisau mit GM Blübaum und GM Kollars weitere Nationalspieler auf.

Um es kurz zu machen, am Samstag gegen den Hamburger Schachclub 1830 hat es wieder mal nicht geklappt: beim Stand von 3,5 zu 3,5 verlor ich nach dem 60. Zug mein Turmendspiel gegen GM Thies Heinemann, wobei dies nicht unverdient war. Also wieder unser berühmtes 3,5 zu 4,5 was mit 0 Mannschaftspunkten in der Tabelle "belohnt" wurde. Man muss dazu sagen, dass gerade in der ersten Liga um jeden halben Punkt erbittert gekämpft wird.

 

Am Sonntag dann lief es zum Glück besser, obwohl Gastgeber St. Pauli in der Tabelle vor dem HSK stand. Und doch hatte der Käptn irgendwie das Gefühl, es könnte was gehen, denn wir können doch nicht immer Pech haben, und knapp verlieren! Und endlich wurden wir für unsere Ausdauer belohnt. Ich konnte kaum glauben, was ich sah: plötzlich hatte Pavel an Brett 1 eine Figur mehr, und Leonardo an Brett 2 gegen GM Bjerre einen Turm mehr! Hier ein Blick auf die beiden spannendsten Momente.

Theodorou-Eljanov, Bundesliga St. Pauli, Runde 8, Brett 1

Hier spielte unser Spitzenbrett nicht etwa 35...Tc2?, weil dies nach 36.f4 g4 37.f5! f6! 38.Txa5 Te2+ 39.Kf4 Tf2+ nur zu Remis durch Dauerschach führen würde, sondern 35...Tc6! Greift den Springer an, was überraschend zu einer Gewinnstellung führt. Es folgte 36.Sxf7 Tc2 (jetzt erst!) und nun stellt sich heraus, dass Weiß nach 37.f4 g4 38.f5 Te2+. 39.Kf4 Te4 Matt gesetzt wird! Weiß versuchte noch, mit 37.Sxg5+ hxg5 38.f4 im Trüben zu fischen, konnte sich aber nicht mehr retten.

Auch meine Partie war äußerst spannend:

Hertneck-Sawatzki, Bundesliga St. Pauli, Runde 8, Brett 8

 

Ich dachte hier, nach 26. Df3(!) auf Gewinn zu stehen, denn auf den Normalzug 26...Le7 folgt 27.Txa3! (der Computer plädiert erneut für Sf6+) und wenn ich mich nicht irre, ist das bereits das Todesurteil von Schwarz. Schlimmer noch, Weiß droht nach Df3 sofort Dxd5 nebst Sf6+. Und der Springer auf h5 darf natürlich nicht genommen werden wegen Dg3+. Also allles in Butter? Leider nicht, denn Schwarz hat einen einzigen Zug, mit dem er ums Überleben kämpfen kann. 26...f5! und der kam auch. Nach 27.exf6 Kf7 ist Schwarz plötzlich wieder im Spiel, denn er hat seinen Turm befreit, und der König steht sicher. Trotzdem steht Weiß nach 28.Sf4! immer noch besser, und diesen Zug fand ich auch. Nun folgt auf 28...Sxf6 29.Db3! und auf 28...Dxf6? 29.Lg5! Df5 30.g4! mit weißer Gewinnstellung. Schwarz fand in Zeitnot noch mal das Genaueste, und zwar 28...Te8, doch nach 29.Sd3 steht Weiß klar besser, allerdings noch nicht auf Gewinn.

Nun kommt aber der Clou, in der Diagrammstellung steht Weiß laut Engine nur nach einem einzigen Zug forciert auf Gewinn, und zwar nach 26.Sf6+ Sxf6 27.Dxf6 Dg3. Ich fand diese Variante am Brett nicht so klar, weil sowohl Dd8 als auch Lf8 zu bedenken ist, aber Stockfish sieht es anders. Df3 ist auf jeden Fall der menschlichere Zug, und er geht kein Risiko ein.

Hier nun der Blick auf den Endstand.

Nun gut, wir konnten also drei Partien gewinnen, und haben nur eine verloren, womit wir unseren ersten Gesamtsieg sicherten. Man kann das nicht oft genug betonen. Sieben Mal hintereinander gescheitert, und beim achten Mal hat es geklappt.

In der Tabelle stehen wir nun vor Berlin und Dresden auf dem drittletzten Platz mit nur 3 Mannschaftspunkten, aber immerhin. Wenn wir uns halten wollen, müssen wir auf jeden Fall gegen diese beiden Teams gewinnen, aber sogar das genügt wohl noch nicht, denn mit 7 Punkten ist man wohl immer noch abgestiegen.

Die nächste Runde ist bereits Ende Februar / Anfang März in München angesetzt.

Gerald Hertneck Schachgroßmeister

Wie immer an dieser Stelle danken wir unserem Sponsor Roman Krulich, der uns seit Jahren unterstützt, und ohne den wir nicht in der Bundesliga spielen könnten!

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