Das Heimspiel gegen den TV Tegernsee geht trotz nomineller Überlegenheit knapp mit 3,5-4,5 verloren.

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Das Heimspiel gegen den TV Tegernsee war das letzte Spiel aus einer Reihe von Begegnungen mit direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt in der Landesliga Süd. Auch wenn Tegernsee als Tabellenletzter mit 0-8 Mannschaftspunkten in den Wettkampf ging, hatte unser Gegner bisher gegen die ersten vier Mannschaften der Tabelle gespielt – im Gegensatz zu uns, die genau diese vier Mannschaften noch vor uns haben und in der unteren Tabellenhälfte lediglich 5-3 Punkte geräubert hatten. Es war also klar, dass wir gegen die letzte nominell schwächere Mannschaft noch einmal zwei Mannschaftspunkte holen mussten/sollten/wollten, um in der zweiten Saisonhälfte nicht gegen stärkere Mannschaften zum Siegen verdammt zu sein. Entsprechend motiviert und gut besetzt traten wir an.

Erasmus bekam an Brett 2, wie am letzten Sonntag, die Tarrasch-Variante der Franzöischen Verteidigung auf das Brett. Leider bewegte sich das Spiel nach einigen Tauschen recht schnell in ausgeglicheneren Bahnen als bei Erasmus’ Sieg gegen Unterhaching, sodass das Remis nach 15 Zügen amtlich war.

Der Schreiber dieser Zeilen setzte an Brett 6 die Serie zu „isolierte Damenbauern-Stellungen mit anschließendem Damenzug-Totalausfall“ vom vergangenen Sonntag fort – diesmal auf der weißen Seite gegen den Isolani. Aus der Eröffnung heraus wäre mit 17. Lh3!? eine vorteilhafte Stellung möglich gewesen, nach einigen Tauschen und Auflösung des Damenbauern war stattdessen Umschalten in den Verteidigungsmodus angesagt. Leider erwischte ich zum zweiten Mal in Folge einen rabenschwarzen Tag und erlaubte meinem Gegner ein schnelles Finale:

 
Tebelmann - Dietlmeier,  Stellung nach 26. Db2-e5??
Schwarz am Zug gewinnt (Lösung am Ende des Beitrags)

Etwas Hoffnung kam bei mir auf, da ich immer wieder verstohlene Blicke zu Brett 5 geworfen hatte, an dem Uli die etwas exzentrische Eröffnugsbehandlung seines Gegners (1. e4 c5 2.Sf3 e6 3. d4 cxd4 4. Lg5!?) bekämpfte. Nach einem frühen Remisangebot Ulis, das der Gegner ablehnte, verbesserte sich die Stellung für Schwarz zunehmend bei bleibendem Mehrbauern. Zudem überholte Uli seinen Gegner zunehmend auf der Uhr, sodass er das Gegenangebot zum Remis im 25. Zug höflich ablehnte und neun Züge später die Partie spektakulär beenden konnte:


 Walter - Dirr, Stellung nach nach 36. Te2-f2
Schwarz am Zug gewinnt (Lösung am Ende des Beitrags)

Hubert spielte an Brett 8 einen verzögerten Bongcloud (14. … Ke2) und hätte, laut Engine, mit 17. Lf4 in Vorteil kommen können. Mit dem zentralisierten König war diese Möglichkeit allerdings nicht gänzlich intuitiv. Die Partie verflachte nach einigen Abtäuschen in ein ausgeglichenes Endspiel, das zum Remis gegeben wurde. Jason konnte an Brett 4 mit seinem Londoner System keinen rechten Druck aufbauen, die Remisbreite wurde im ganzen Spiel nicht verlassen und kurz vor der Zeitkontrolle ging unsere beide letzte Weißpartie ebenfalls Remis aus. Der Zwischenstand kurz vor der Zeitkontrolle, war damit 2,5-2,5.

Aus den Stellungen der restlichen Partien war klar, dass wir mit einem Mannschaftsremis sehr gut bedient sein würden: Falk war an Brett 1 von einem Jugendtalent mit 250 DWZ-Punkten und ca. 40 Lenzen weniger ausgangs der Eröffnung in Bedrägnis gebracht worden und verteidigte ein Doppelturmendspiel mit Minusbauer – hier war maximal ein halber Punkt zu holen. Alexander traf an Brett 3 auf einen Gegner, der ebenfalls kreative Eröffnungen zu bieten hatte (1.Sf3 g6 2. e4 c5 3. Sc3 Lg7 4. Tb1 Sf6 5. a3). Im fünften Zug gab es bereits keine Vorgängenpartien, im Laufe einiger taktischer Verwicklungen stand Alexander um den 18. Zug herum auf Gewinn. Der Gegner erwies sich anschließend als sehr zäh und konnte durch einige Abtausche in ein Turmendspiel überleiten – vermutlich ebenfalls remis, aber der weiße König stand etwas abseits, vielleicht ging (mit sehr viel Optimismus) noch etwas?! Felix hatte seine Spanische Partie mit einem Läuferfianchetto auf g7 sehr aktiv gespielt und zwei Bauern geopfert, für die er aber ausreichend Aktivität zu haben schien. Außerdem hatte der Gegner einen isolierten Doppelbauern und es gab Möglichkeiten einen Bauern zurückzuerobern – ein Spiel auf zwei Resultate, aber auch hier schien ein Remis möglich.

Als erstes rettete Falk sich ins Remis, da er den entfernten Freibauern seines Gegners erobern konnte und mit drei gegen drei Bauern auf dem Königsflügel in keine Richtung mehr etwas zu holen war. Kurz darauf stellte sich heraus, dass auch das Turmendspiel von Alexander keine Ausnahme von der bekannten Regel bildete, sodass auch hier das Remis gegeben wurde.

Felix hatte mittlerweile in ein Springerendspiel mit Minusbauern abgewickelt, das aber stark nach einem Remis aussah, da sich zunehmed die Bauern tauschten. Die Endphase erforderte dabei starke Nerven bei den Kiebitzen beider Mannschaften... Beide Kontrahenten lebten im Wesentlichen von ihren 30 Sekunden Inkrement, eine Zeit lang schien sogar ein Sieg wieder möglich, da hier Zeitnot-Russisch-Roulette auf hohem Niveau geboten wurde: während Felix seine Zeit auf lediglich zwei Sekunden ablaufen ließ, überbot ihn der Gegner und schaffte es mit nur einer Sekunde noch den Zug auszuführen. Nachdem Felix das Endspiel über 20 Züge lang zäh verteidigt hatte, entschied dann die folgende Stellung über den Ausgang der Partie:

 LLSR5_Felix.png

 Lettl - Brychcy, Stellung nach 61. Kd5-c4
Schwarz am Zug hält Remis; Wie gewinnt Weiß nach der Partiefortsetzung 61. ... Kf5? 
(Lösungen am Ende des Beitrags)

Damit endete der Wettkampf trotz nomineller Überlegenheit an allen Brettern (mit Ausnahme von Jason an Brett 4) mit einer 3,5-4,5 Niederlage.

LLSR5_Ergebnis.png

Ein Blick auf die Tabelle unterstreicht unser schwieriges Restprogramm. Gegen die Mannschaften in der unteren Hälfte haben wir mit 5-5 Mannschaftspunkten eine zu geringe Ausbeute eingeholt, sodass wir aus den restlichen Wettkämpfen noch weitere Punkte holen müssen. Erschwerend kommt in dieser Saison hinzu, dass durch die Umstrukturierung der 2. Bundesligen von vier Staffeln mit je zehn Mannschaften auf zwei Staffeln mit je 12 Mannschaften viele Absteiger aus der 2. Bundesliga Ost in die Oberliga Bayern und von dort in die Landesligen zu erwarten sind. Dadurch wird es statt der üblichen zwei Absteiger voraussichtlich drei oder vier Absteiger geben. Auch wenn sich die Mannschaften hinter uns gegenseitig Punkte wegnehmen, bleibt es also spannend.

LLSR5_Tabelle.png

Abschließend kehrten wir dann zu sechst (fünf Spieler und Felipe, der kurzfristig am Freitag in der MMM eingesprungen war, aber trotzdem zum Kiebitzen kam) wieder im Xaver's ein und ertränkten den Frust in ein bis zwei Kaltgetränken.

Die Partien zum Nachspielen

Lösungen zu den Stellungen 

Tebelmann - Dietlmeier: nach 26. ... De2 ist es bereits aus, denn das geplante 27. Tf1 (um den Bauern f2 nach ...Tc2 gedeckt zu haben) scheitert an 27. ... La6 28. Da1 Dxf1 29.Dxf1 Lxf1 30. Kxf1 +-. In der Partie folgte 27. Ta1 Tc2 28. Df4 Ld6 mit Ablenkung der Dame von f2 und 0-1, da Weiß nach 29. Dh6 Dxf2 30. Kh1 Dh2# einen Zug zu spät kommt.


Walter - Dirr: Walter - Dirr, 34. ... Rxg3! ist ein Final für die Galerie, wobei wie häufig die schönsten Variaten nicht aufs Brett kamen:
    a) 35. Qxc8+ Qxc8 36. Kxg3 Qc7+ 37. Kh4 (37. Rf4 g5) 37... g5+ 38. Kxh5 Qh7+ 39. Kg4 Qh4#
    b) 35. Rxe4 Rxh3+ 36. gxh3 Qxf2+ 37. Kh1 Rc1+ 38. Re1 Rxe1#
    c) 35. Rxf5 Rxg2+ 36. Kh1 Rb2+ 37. Rxe4 Rc1+  nebst Matt, obwohl der Turm b2 hängt, kann keine Schwerfigur das Grundreihenmatt verhindern. 
die Partie endete mit 35. Kxg3 Qe5+ 36. Rf4 (36. Kh4 Qg5#) 36... Rc3+ 37. Kh2 Qxf4+ 38. Kg1 Qg3 39. Db8+ Dxb8 0-1


Lettl - Brychcy: in der Partie folgte 61. ... Kf5? und nach 62. c6 kommt der Springer nicht mehr an den Bauern, während der König das Feld d7 (wegen des Springers auf f6) nicht betreten und deshalb die Umwandlung auch nicht verhindern kann. 63. ... Se3+ 63. Kc5 (ZÜ) 1-0

Stattdessen musste der Springer direkt zurückbeordert werden, z.B. 61. ... Sa3+ mit der Idee 62. Kd5 Sc2! 63. c6 Sb4+ = oder analog zur Partie 63.  61. ... Se3+ 62. Kb5 (nur als Beispiel ähnlich zur Partie - hier sind ebenso alle anderen legalen Königszüge zu berechnen) Kf5 63. c6  Kxf6 64. c7 Sf5 65. c8S! (65. ... c8D?? 66. Sd6+ -+) ist laut Tablebase ebenfalls Remis. Mit weniger als 1 Minute Bedenkzeit sind diese Varianten nicht trivial zu rechnen. Am pragmatischsten wäre deshalb vermutlich 61. ... Sd4 gewesen, da Schwarz den Bauern direkt aufhält und Weiß den Springer nicht von d4 vertreiben kann. Nach 62. Kd5 Sc2 wird die Stellung wiederholt, mit anderen Zügen kommt Weiß ebenfalls nicht weiter.