Dem Abstieg entronnen, abgestiegen dennoch in Abgründe

What else than a natural and mighty palimpsest is the human brain ?
Such a palimpsest is my brain ; such a palimpsest, oh reader! is yours.
Everlasting layers of ideas, images, feelings, have fallen upon your brain softly as light.
Each succession has seemed to bury all that went before.
And yet, in reality, not one has been extinguished. *
Thomas De Quincey

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[ud] Einige Aktivisten litten am Wochenende unter der medizinischen Deutung eines Palimpsests.** Ich denke hier hauptsächlich an Brett drei und sieben. Andere versuchten, die Quellen ihres Wissens unter vielen Schichten übereinander gestapelten Variantengestrüpps freizulegen. Teils mit Erfolg, teils ohne.

Gut, dass von den vielen Mitgliedern des Vereins, keiner die nervenverschmorenden Bemühungen mitansehen wollte. Der Kampf fand an dem Wochenende in drei unterschiedlichen Spielklassen statt. Brett 1 spielte wie schon öfters in dieser Saison in seiner eigenen Liga. Der große Rest im üblichen Sündenpfuhl regionaler Freizeitbeschäftigungen. Und leider zwei Extremisten, bei denen ich mich weigere, sie überhaupt in eine Klasse einzuordnen, allein das Wort „Klasse“ würde diese Beiden zu sehr adeln.

Schauen wir uns in der Reihenfolge der Aufstellung die Partien ein wenig genauer an.

Nikolas Johann Rogobete (2105) — Robert Heigermoser (2105) [B92]

1. e4 c5 2. ¤f3 d6 3. d4 c×d4 4. ¤×d4 ¤f6 5. ¤c3 a6 6. ¥e2 e5 7. ¤b3 ¥e7 8. 0-0 0-0 9. ¢h1

Nach ¥e3 der am meisten gespielte Zug.

9. ... b6 10. f4

Meist wird hier mit ¥e3 fortgesetzt, eine Spezialität von Ivanchuk ist f3.

10. ... ¥b7 11. ¥f3 ¤bd7 12. £e1 ¦c8 13. f5

[HGFEDCBA]
1K+RwQ-vL-tR!
2zPP+-+PzPP“
3-+L+-sNN+#
4+-+P+-+-$
5-+Pzp-+-+%
6+-sn-zp-zpp&
7pzppvln+l+
8+ktr-wqr+-(
{hgfedcba}

Damit legt sich Weiß fest; er wird mittels Bauernsturms versuchen, den schwarzen Flügel samt König zu zerquetschen.

Schwarz hat verschiedene Optionen:

a) Im geeigneten Moment ... d5 durchsetzen und die Diagonale zum weißen Monarchen öffnen (recht unwahrscheinlich, wenn Weiß nicht dumm spielt). Dazu wird der Turm nach e8 gestellt und ... b5 nebst ... ¤b6 gespielt.

b) Am Damenflügel angreifen (der Springer b3 steht sehr schlecht, der Bauer c2 ist ungedeckt), mit ... b5 eingeleitet.

c) Den Druck auf e4 erhöhen und ihn im richtigen Moment durch ein Opfer erobern (das werden wir in der Partie sehen). Dieses taktische Motiv ist ein Klassiker in der Sizilianischen Verteidigung.

Ein weiteres Vorgehen für Schwarz ist die schwarzfeldrige Blockade am Königsflügel, um aktives weißes Spiel zu unterbinden. Dazu wird ... h6, ... ¤h7 und ... ¥g5 gespielt.

Klassische Partien in dieser Struktur sind z. B. Geller—Fischer, Kandidatenturnier, Curaçao 1962, Unzicker—Fischer, XV. Schacholympiade, Warna 1962, Karpov—Polugayevsky, Kandidatenturnier, Moskau 1974 (6. und 8. Partie), Kasparov—Gelfand, Euwe-Gedächtnisturnier, Amsterdam 1996 und Kasparov—Anand, Las Palmas 1996.

Silikonmonster und Leela sind sich hier schon einig: Nach ... b5 und ... ¤b6 sehen sie Schwarz bereits klar im Vorteil (–1.31 vs. -2.32).

13. ... ¦c7!? 14. ¥g5

Vielleicht sollte Weiß vorsorglich a4 ziehen.

14. ... £a8 15. ¦d1 ¦e8 16. £e3 b5 17. a3 h6!

Ein geschickter Zug, der Weiß vor die Qual der Wahl stellt: Geht das Opfer auf h6? Muss ich auf f6 schlagen? Oder kann ich nach h4?

18. ¥×f6 ¤×f6 19. ¤a5

[HGFEDCBA]
1K+R+R+-+!
2zPP+-+PzP-
3-+LwQ-sN-zP#
4+-+P+-+-$
5-+Pzp-+psN%
6zp-sn-zp-+p&
7-zppvl-trl+
8+k+r+-+q(
{hgfedcba}

19. ... ¦×c3!

Hier ist es: Das berühmte Qualitätsopfer auf c3, um den Zentrumsbauern e4 zu gewinnen. Eine Regel lautet (analog übrigens zum Qualitätsopfer von Schwarz auf f3 in Französischstrukturen), dass man besser steht, wenn man dadurch den Zentrumsbauern gewinnt und Weiß einen Doppelbauern erhält. Der Bauer und die geschwächte Bauernstruktur wiegen das geopferte Material mehr als auf.

20. b×c3?

[HGFEDCBA]
1K+R+R+-+!
2zPP+-+P+-
3-+LwQ-zP-zP#
4+-+P+-+-$
5-+Pzp-+psN%
6zp-sn-zp-+p&
7-zppvl-+l+
8+k+r+-+q(
{hgfedcba}

20. £×c3 war natürlich Pflicht, z. B.

A) 20. ... ¥×e4 21. ¥×e4 £×e4 (21. ... ¤×e4 ist wegen 22. £c6! nicht gut) 22. ¤c6 ¥f8 ist nicht so klar;

B) 20. ... ¦c8 21. £d3 ¥×e4 22. ¥×e4 ¤×e4 °. Interessanterweise sieht Stockfish die Stellung als völlig ausgeglichen an (sprich: Kompensation), während Leela Schwarz immer noch leicht im Vorteil sieht.

Ein schwerer Fehler, weil der ganze weiße Damenflügel nun in Trümmern liegt. Außerdem kann man fragen: Wo spielt denn jetzt der Anziehende?

20. ... ¥×e4 21. ¤b3?!

21. ¥×e4 ¤×e4 22. c4 ¦c8 (22. ... ¥d8!?) 23. ¦fe1 ¤f6 24. c×b5 a×b5 µ.

21. ... d5! 

[HGFEDCBA]
1K+R+R+-+!
2zPP+-+P+-
3-+LwQ-zPNzP#
4+-+l+-+-$
5-+Pzpp+p+%
6zp-sn-+-+p&
7-zppvl-+-+
8+k+r+-+q(
{hgfedcba}

Besetzt nicht nur das Zentrum, sondern zementiert den Damenflügel ein. Weiß steht auf Verlust.

22. £d2 ¥×f3 23. g×f3

Das ist natürlich schrecklich, aber Weiß hofft auf Gegenspiel auf der geöffneten g-Linie.

23. ¦×f3 ¥×a3, und der Versuch 24. g4 scheitert an 24. ... d4 (nicht 24. ... ¤×g4 wegen 25. ¦g1 e4 26. ¦ff1 e3 27. £g2 ¦e4 28. h3) 25. £g2 ¤d5 26. c×d4 e4 27. ¦g3 ¥d6.

23. ... ¥×a3 24. ¦g1 ¢h7! 25. ¦g2 £c8

Legt den Finger in die beiden Wunden c3 und f5 ... arrgh.

26. ¦dg1 ¥f8 27. £d3 ¦e7 28. ¤c1 e4 29. f×e4 d×e4 30. £h3 e3

Das war’s. Der Bauer geht nicht nur Richtung Umwandlung, sondern unterbricht die Deckung des c-Bauern und öffnet die Diagonale zum weißen König. Wenn dann der Springer noch zum Einsatz kommt, fällt der Vorhang.

31. ¤e2 £c6 32. £g3 a5 33. £b8

Will Verwirrung stiften.

33. ... ¦e8 34. £a7 ¤g4!

[HGFEDCBA]
1KtR-+-+-+!
2zPR+N+P+-
3-+-zp-zP-+#
4+n+-+-+-$
5-+P+-+pzp%
6zp-+-+q+-&
7kzpp+-+-wQ‘
8+-vlr+-+-(
{hgfedcba}

Der Schlusspunkt hinter einer fabelhaften Partie. Droht übrigens Matt!

35. h3 ¤f2+ 36. ¢h2 ¥d6+ 37. ¤g3 ¦e7 38. £d4 ¤e4

Der Computerzug 38. ... ¦e4 meldet nach £a7 ein Matt in 25! Hab ich glatt übersehen ...

39. h4 ¤×g3 40. ¦×g3 f6 41. £g4 ¥×g3+ 42. £×g3 e2 0–1

Was mir besonders aufgefallen ist, dass das sogenannte KI-Programm und Robert bei der Zugwahl meist übereinstimmten und Stockfish wie gehabt „unmenschliche“ Varianten hervorzauberte. Das war auch bei den anderen Begegnungen teilweise zu beobachten.

***

Martin Motl (2191) — Manfred Fischer (2083)  [E17]

1. ¤f3 ¤f6 2. c4 e6 3. g3 b6 4. ¥g2 ¥b7 5. 0–0 ¥e7 6. b3

Der Hauptzug ist hier 6. ¤c3, wonach Schwarz in der Regel eine Igelstellung einnimmt. Also Weiß spielt ¦e1, e4, d4, Schwarz ... c5, ... d6, c×d4. Das werden sehr komplexe Stellungen, sehr gut erklärt in den beiden Büchern von Sergey Shipov, The Complete Hedgehog, vol. I & II, Newton Highlands: Mongoose Press 2009 und 2011. Für Hardcore-Theoretiker ist natürlich Alexander Khalifman zu empfehlen (Opening for White according to Kramnik 1. ¤ f3, vol. II, Sofia: Chess Stars 2008).

6. ... 0–0 7. ¥b2 d5

[ABCDEFGH]
8rsn-wq-trk+(
7zplzp-vlpzpp‘
6-zp-+psn-+&
5+-+p+-+-%
4-+P+-+-+$
3+P+-+NzP-#
2PvL-zPPzPLzP“
1tRN+Q+RmK-!
{abcdefgh}

8. c×d5

8. e3 gefällt mir persönlich besser. Die Idee ist, die folgende Stellung zu bekommen: 8. ... c5 9. ¤c3 d×c4 10. b×c4 ¤c6 11. £e2:

r+-wq-trk+
zpl+-vlpzpp
-zpn+psn-+
+-zp-+-+-
-+P+-+-+
+-sN-zPNzP-
PvL-zPQzPLzP
tR-+-+RmK-

Es gibt hier zwei unterschiedliche Ansätze für Weiß. Den ersten hat Mihail Marin in The English Opening, vol. 2, Glasgow: Quality Chess 2010 ausführlich dargelegt. Er empfiehlt im Prinzip mit ¦fd1 und anschließendem d4 fortzusetzen. Der andere Ansatz wird von Alexander Delchev in The Modern Réti: An Anti-Slav Repertoire, Sofia: Chess Stars 2012 behandelt. Er sieht einen Köngsangriff mittels f4 und g4 vor.

8. ... e×d5 9. d4 ¤bd7 10. ¤c3 ¦e8 11. ¦c1

Zuletzt wohl von Leko gegen Bacrot versucht. Ältere Bemühungen stammen von Grischuk gegen Vescovi und Ding Liren gegen Li Shilong.

Ich muss gestehen, dass ich die Stellung nicht verstehe. Optisch sieht es ja gut aus, aber einen klaren Plan kann ich nicht erkennen. Am ehesten kann ich die Öffnung im Zentrum mit e4 nachvollziehen.

11. ... c6 12. ¤e5 ¥d6 13. f4 ¤f8 14. ¢h1?! ¦c8 15. £d3 ¦c7 16. e4 d×e4?!

Das ist nicht das Beste.

16. ... ¤e6!? 17. e×d5 c×d5 18. a3 £e7 sieht sehr bequem für Schwarz aus.

17. ¤×e4 ¤×e4 18. ¥×e4

[ABCDEFGH]
8-+-wqrsnk+(
7zpltr-+pzpp‘
6-zppvl-+-+&
5+-+-sN-+-%
4-+-zPLzP-+$
3+P+Q+-zP-#
2PvL-+-+-zP“
1+-tR-+R+K!
{abcdefgh}

 Eine erste kritische Stellung der Partie. Der Bauer c6 ist angegriffen. Decken, aufziehen oder einen Angreifer beseitigen – das ist die Frage!

18. ... c5?!

Die prinzipielle und radikale Lösung – wenn es keinen Haken gibt.

18. ... £c8 19. £f3 (19. ¤c4 ¥e7 sieht o.k. für Schwarz aus) 19. ... c5 20. ¥×b7 £×b7 21. £×b7 ¦×b7 22. ¤c4 könnte ganz gut für Weiß sein;
18. ... ¥×e5 19. f×e5 ¦d7!? und auf 20. ¥×c6? würde stark 20. ... ¥×c6+ 21. ¦×c6 ¦×e5 folgen, wonach Weiß aufpassen muss, nicht ins Hintertreffen zu geraten.

19. ¥×b7 ¥×e5?!

19. ... ¦×b7 20. d5 würde mir zusagen.

20. f×e5 ¦×b7 21. d5

[ABCDEFGH]
8-+-wqrsnk+(
7zpr+-+pzpp‘
6-zp-+-+-+&
5+-zpPzP-+-%
4-+-+-+-+$
3+P+Q+-zP-#
2PvL-+-+-zP“
1+-tR-+R+K!
{abcdefgh}

Die zweite und entscheidende kritische Stellung der Partie. Wir waren uns in der Analyse eigentlich einig, dass Weiß hier besser stehen müsste, aber seltsamerweise hat Schwarz verschiedene Störmanöver, die die Realisierung erschweren.

21. ... ¦d7 22. d6 ¦e6

Schwarz blockiert erst einmal die weißen Bauern, danach will er den hinteren Bauern angreifen und evtl. mit ... f6 die Bauernkette zerstören.

23. £d5

Die Alternativen sind: ¦f5, ¦ce1, ¥c3 und b4.

23. ... £g5 24. £a8?!

24. ¦cd1!? könnte der richtige Zug sein, um den Vorteil zu halten. 24. ... ¦e8!? (24. ... f6? wäre verfrüht wegen 25. £c4! (jetzt droht e×f6) 25. ... £g6 26. e×f6 g×f6 27. ¦×f6 gewinnt sehr wahrscheinlich) 25. ¦f2 ±.

24. ... £d2 25. £g2

Danach löst sich alles schnell in Wohlgefallen auf.

25. ¥c3!? £×a2 26. b4 £e2 (26. ... c×b4? 27. ¥×b4 und der Turm würde vernichtend auf c8 eindringen) 27. b×c5 b×c5 28. ¦b1 £d3 29. ¥a1 f6 30. ¢g2 (deckt den Turm, damit sein Kollege beweglich wird). Das ist alles schwer vorherzusehen. Ob man sich traut, einen Bauern dafür zu geben? Wie es scheint, kann Schwarz nun die Qualität opfern: 30. ... ¦×e5 31. ¥×e5 £e2+ 32. ¢h1 £×e5:

Q+-+-snk+
zp-+r+-zpp
-+-zP-zp-+
+-zp-wq-+-
-+-+-+-+
+-+-+-zP-
-+-+-+-zP
+R+-+R+K

Den Unmenschen gefällt das, ich hätte Angst völlig platt zu stehen.

25. ... £×g2+ 26. ¢×g2 f6! 27. b4! f×e5 28. b×c5 b×c5 29. ¦×c5 ¦e×d6 ½–½

***

Paul Antemia (2056) — Ulrich Dirr (2202) [A85]

1. ¤f3 f5 2. c4 ¤f6 3. ¤c3 d6 4. d4 c6 5. ¥g5 ¤bd7 6. e3 e5

[HGFEDCBA]
1R+LmKQ+-tR!
2zPPzP-+-zPP“
3-+NzP-sN-+#
4+-+-zPP+-$
5-vLpzp-+-+%
6+-sn-zpp+-&
7pzp-+n+pzp‘
8tr-vlkwql+r(
{hgfedcba}

7. e4

Ein erster Schock. Ist das legal?

7. ... f4 8. ¥e2 h6 9. ¥×f6 £×f6 10. g3?

Der zweite Schock, der erstmals Wirkung zeitigt.

10. ... g5?

10. ... e×d4!
A) 11. £×d4 ¤e5 12. ¤×e5 (12. 0–0–0 ¥g4µ) 12. ... d×e5 13. ¥h5+ g6 14. ¥×g6+ £×g6 15. £×e5+ ¢f7 ist sehr gut für Schwarz;
B) 11. ¤×d4 g6 12. £d2, und jetzt ... ¥g7 oder sogar ... h5 (… ... ¥h6) mit klarem Vorteil für Schwarz.

11. d×e5? d×e5 12. ¤d2

[HGFEDCBA]
1R+-mKQ+-tR!
2zP-zPLsN-zPP“
3-zP-+-sN-+#
4+-zpP+P+-$
5-zp-zp-+-+%
6zp-wq-+p+-&
7-+-+n+pzp‘
8tr-vlk+l+r(
{hgfedcba}

Die Quizfrage: Wohin stellt man den schwarzfeldrigen Läufer? Oder soll man gleich d4 anpeilen mit ... ¤c5?

12. ... ¥c5 13. ¥h5+ ¢e7

Ich muss zugeben, dass ich den interessanten Plan, mit dem König nach c7 zu laufen, überhaupt nicht erwogen habe.

14. £e2 ¤f8?

Zu gekünstelt.

Ich habe sehr lang über 14. ... ¥d4 gegrübelt und ihn dann verworfen. Aber offensichtlich wäre er der beste Zug gewesen. Zum Beispiel: 15. 0–0–0 (15. ¤b3 (meine Hauptvariante) 15. ... ¤c5 16. ¤×d4 e×d4 (dass nun e5 wegen ... £f5 nicht geht, habe ich noch gesehen) 17. ¤d1, und das ist wahrscheinlich brutal gut für Schwarz) 15. ... ¤c5 (keine Ahnung, warum ich mich hier so lange mit ... ¥×c3 beschäftigt habe) 16. ¤b3 ¤×b3+ 17. a×b3, und nach ... ¥e6 oder sogar ... f3 steht Schwarz sehr gut.

15. ¤b3 ¤e6 16. ¤×c5 ¤×c5 17. 0–0–0 ¤e6

O.k., Vorteil verspielt.

18. f3? ¤g7! 19. ¥g4

Ja bist narrisch?

19. ... h5?

Was für ein Dreckszug! Wie kann man so bescheuert sein.

Natürlich hatte ich 19. ... ¥×g4! bei ... ¤g7 geplant gehabt. Ich hätte ihn einfach ziehen und nicht nochmal nachdenken sollen. 20. f×g4 ¤e6 mit klarem Vorteil Schwarz. Leela meint hier, dass Schwarz auf Gewinn steht (–2.78).

20. ¥×c8 ¦a×c8??

Stellt die Partie auf den Kopf. Bravo, Herr Dirr, Gratulation.

21. £f2! b6? 22. c5! b5 23. ¦d6  £f7 24. ¦hd1 ¦hd8 25. £d2?

Erst 25. g×f4 wäre genauer gewesen, aber da hatte ich mit der Partie schon abgeschlossen.

25. ... £e8??

Mit 25. ... ¤e6! hätte ich tatsächlich noch weiterspielen können. 26. ¤e2!? (ich hatte es wegen 26. ¦d7+ verworfen, weil ich scheinbar wegen des ungedeckten Turms auf c8 nicht nehmen darf. Aber natürlich übersehen, dass 26. ... ¢e8! = alles im Lot hält) 26. ... g4!? 27. ¤×f4! e×f4 28. g×f4 ¦×d6 29. c×d6+ ¢d7 30. f5ƒ sieht brandgefährlich aus, wäre jedoch die einzige Chance gewesen (und Weiß hätte sich trauen müssen, die Figur zu opfern).

26. g×f4! g×f4 27. £f2! ¦×d6

Lieber ein Ende mit Schrecken ...
27. ... ¢f7 hilft nach 28. ¦g1 auch nichts mehr.

28. c×d6+ 1–0

***

Die zweitlängste und aufregendste Partie des Tages wurde von Felix gespielt. Nach guter Eröffnung verpasste Felix leider in Vorteil zu kommen und wieder mal wegen massiven Zeitverbrauchs konnte er im Mittelspiel nicht alle Probleme lösen. Immerhin spielt er in Zeitnot so gut, dass seine Gegner nicht gleich Schluss machen können. Am krassesten war dann das Endspiel – weniger wegen des Verlaufs, sondern weil gleichzeitig an Brett fünf ein seit langem als sicher eingerechneter Punkt immer weiter davonschwebte.

Felix Brychcy (2072) — Mark Erler (2035) [E94]

1. d4 ¤f6 2. c4 g6 3. ¤c3 ¥g7 4. e4 d6 5. ¤f3 0–0 6. ¥e2 ¤a6 7. 0–0 e5 8. ¥e3 ¤g4 9. ¥g5 £e8 10. h3

10. d×e5 d×e5 11. h3 h6 12. ¥d2 ¤f6 13. ¥e3 £e7 14. ¤d5 £d8 lautet die beliebteste Fortsetzung.

10. ... f6 11. ¥c1 ¤h6 12. d×e5 d×e5 13. ¥e3 c6 14. ¤d2

14. c5 nach dem Vorbild Karpovs (Karpov–Radjabov, Wijk aan Zee 2003) wäre interessant gewesen.

14. ... ¤f7 15. c5 £e7

[ABCDEFGH]
8r+l+-trk+(
7zpp+-wqnvlp‘
6n+p+-zpp+&
5+-zP-zp-+-%
4-+-+P+-+$
3+-sN-vL-+P#
2PzP-sNLzPP+
1tR-+Q+RmK-!
{abcdefgh}

Hiermit haben wir Neuland betreten.

16. ¥×a6! b×a6 17. £a4 ¦b8?!

17. ... f5!?, um sofort Gegenspiel zu erlangen, wäre vielleicht stärker gewesen. 18. f3 ±.

18. ¤c4?

Das direkte 18. £×c6! hätte Weiß in klaren Vorteil gebracht: 18. ... f5 (18. ... ¦×b2? 19. ¤d5 £e6, und die Maschinen sind sich nicht einig, ob ¤c4, £×e6 oder ¦fb1 am schnellsten gewinnt) 19. ¤d5 £d8 20. f3 ¥b7 (20. ... ¦×b2? geht immer noch nicht: 21. ¤c4 ) 21. £c7 ±.

18. ... £c7?!

18. ... f5 ist Pflicht.

19. b3

19. ¦ad1!? ¥e6 20. b3 ±.

19. ... ¦d8 20. ¦ad1! ¥f8?! 21. ¦×d8 ¤×d8 22. ¦d1

22. f4!? ist an dieser Stelle sehr stark.

22. ... ¤b7?! 23. £a3?!

Das freche 23. £×a6! hätte Weiß deutlichen Vorteil versprochen, z. B. 23. ... ¤×c5 24. £a5! £×a5 25. ¤×a5 ¥b7 26. ¤×b7 ¦×b7 27. ¦d8 nebst ¦c8 und großem Vorteil für Weiß.

23. ... a5 24. ¤a4

24. ¤d6!? ¥e6 25. £c1 ¤×d6 26. c×d6 ¥×d6 27. ¥×a7, und Weiß behielte die bessere Struktur.

24. ... ¥e6 25. £c1 ¦d8 26. ¤cb2

26. ¦×d8 £×d8 27. £c3 ist auch nicht mehr klar.

26. ... ¦e8 27. ¦d2

27. ¤d3!?.

27. ... f5 28. e×f5?!

Nach 28. f3 steht Weiß immer noch ganz gut.

28. ... g×f5 29. f4?

Ich glaube Felix hat einfach übersehen, dass der Turm die Diagonale versperrt hat und daher der Bauer nicht gedeckt ist.

29. ... e×f4 30. ¥d4 ¥d5 31. ¦f2 ¦e4 32. £d2 ¥h6?! 33. ¤c3 ¦e6?

[ABCDEFGH]
8-+-+-+k+(
7zpnwq-+-+p‘
6-+p+r+-vl&
5zp-zPl+p+-%
4-+-vL-zp-+$
3+PsN-+-+P#
2PsN-wQ-tRP+
1+-+-+-mK-!
{abcdefgh}

33. ... f3!?.

34. ¤×d5

34. ¤d3! hätte wieder Weiß ans Ruder gebracht. Die Pointe ist, dass auf 34. ... f3 35. ¤×d5! c×d5 36. £b2 Weiß trotz des Minusbauern deutlich besser steht.

34. ... c×d5 35. ¦f3

35. ¤d3!.

35. ... £e7?!

35. ... ¤×c5! =.

36. ¤d3 ¦e2?

[ABCDEFGH]
8-+-+-+k+(
7zpn+-wq-+p‘
6-+-+-+-vl&
5zp-zPp+p+-%
4-+-vL-zp-+$
3+P+N+R+P#
2P+-wQr+P+
1+-+-+-mK-!
{abcdefgh}

37. £d1?!

Mit 37. £c3! hätte Weiß dem Schwarzen unlösbare Probleme bescheren können. Der Springer auf b7 steht einfach schlecht und es droht der Vormarsch des c-Bauern, während die Königsstellung wieder sicher ist.

37. ... £e4? 38. ¥f2

38. ¥c3! ¦×a2 39. c6 ¤d6 40. ¤f2! £e6 41. £d4  hätte Schwarz schwitzen lassen. Es gibt kein Entkommen, die geschwächte Königsstellung kombiniert mit dem starken c-Bauern des Weißen sind zuviel des Guten.

38. ... ¤d8! 39. ¤×f4?

Nach 39. b4 ¦×a2 (39. ... a×b4?! 40. ¤×b4 ist eher gut für Weiß) 40. b5 ¥g7 41. ¢h2 kann alles passieren ...

39. ... ¦×f2! 40. ¤×d5?

40. ¦×f2 wäre das kleinere Übel gewesen. 40. ... ¥×f4 41. ¦×f4! £×f4 42. £×d5+ ¤f7! 43. £a8+ ¢g7 44. £×a7, mit klarem Vorteil für Schwarz. Aber was ist hier los?
In höchster Zeitnot (übrigens schon seit geraume Zeit) übersieht Felix den 40sten Zug des Nachziehenden:

40. ... ¦d2!

Aus is. Blöd gelaufen. Aber Felix kämpft weiter.

41. £×d2 £b1+ 42. ¦f1 £×f1+ 43. ¢×f1 ¥×d2

[ABCDEFGH]
8-+-sn-+k+(
7zp-+-+-+p‘
6-+-+-+-+&
5zp-zPN+p+-%
4-+-+-+-+$
3+P+-+-+P#
2P+-vl-+P+
1+-+-+K+-!
{abcdefgh}

Weiß steht natürlich auf Verlust, aber sein c-Bauer und der zerrupfte schwarze Damenflügel geben ihm noch eine winzige Chance ...

44. ¢e2 ¥g5 45. ¢d3 ¢f7 46. ¢c4 ¢e6

So weit so gut. Das war’s jetzt aber.

47. b4

47. ¤c7+ ¢d7 48. ¤b5 ¤c6 49. ¤d6 f4 50. a3 ¢e6 .

47. ... a×b4 48. ¤×b4 ¥d2 49. ¤d3 ¤c6 50. ¤f2 a6

So, alle Einbruchsfelder sind gedeckt. Weiß kann aufgeben.

51. g4

Ist ja eh schon egal, dann mach ich halt Schwarz noch einen Freibauern.

51. ... f4 52. ¤e4 ¥e3

52. ... ¤e5+ gewinnt natürlich einen Ticken klarer.

53. ¤g5+ ¢e5 54. ¤f3+ ¢e6 55. ¤g5+ ¢f6 56. ¤×h7+ ¢g7?!

56. ... ¢g6! 57. ¤f8+ ¢f7 58. ¤h7 f3, und der Läufer verhindert das „rettende“ Schach.

57. ¤g5 ¤e5+?! 58. ¢d5

Oha, jetzt wird’s wieder komplizierter.

58. ... f3

58. ... ¢g6 59. ¤e4 ¤d7 60. c6 ¤b6+ 61. ¢d6 f3 62. c7 f2 63. ¤×f2 ¥×f2 64. ¢c6 ¢g5 65. ¢b7 a5 66. c8D ¤×c8 67. ¢×c8 =:

-+K+-+-+
+-+-+-+-
-+-+-+-+
zp-+-+-mk-
-+-+-+P+
+-+-+-+P
P+-+-vl-+
+-+-+-+-

Das ist eine Remisstellung. Habe ich mir von den Tablebases bestätigen lassen, also ist Widerspruch sinnlos. Der Trick besteht darin, dass Schwarz nicht rechtzeitig beide Bauern am Königsflügel schlagen kann, ohne dass der a-Bauer verloren geht.

59. ¤e4?

59. ¤×f3! =. Zum Beispiel: 59. ... ¤×f3 60. c6 ¥b6 61. ¢d6, und wir bekommen wieder eine ähnliche Konstellation. 61. ... ¤d4 62. c7 ¤b5+ 63. ¢c6 ¥×c7 64. a4 ¥e5 65. a×b5 a5 66. ¢d5 ¥c7 Die Endspiel-Gurus wissen das: 67. b6 ¥×b6 68. ¢c4 ¢g6 69. ¢b5 ¢g5 70. ¢a4 ¥d8 71. ¢a3 ¢h4 72. ¢a4

-+-vl-+-+
+-+-+-+-
-+-+-+-+
zp-+-+-+-
K+-+-+Pmk
+-+-+-+P
-+-+-+-+
+-+-+-+-

Diese Stellung kann Schwarz nicht gewinnen. Sobald er auf h3 schlägt, rennt der g-Bauer los. Schwarz kann ihn nur mit dem Läufer aufhalten, was ihn aber von der Deckung des a-Bauern ablenkt.

59. ... ¥×c5??

59. ... ¤d7! 60. c6
A) 60. ... ¤b6+ 61. ¢e5 (61. ¢d6 f2 62. ¤×f2 ¥×f2 63. c7 ¢f6 64. ¢c6 ¢e6 65. g5 ¤c8) 61. ... f2 62. ¤g3 ¥g5!;
B) 60. ... f2 61. ¤g3 ¤f6+! 62. ¢e5 ¥b6 63. ¤f1 ¥c7+ .

60. ¢×c5?

60. ¢×c5? ¤d3+ 61. ¢d4 f2 62. ¤d2 ¤c1 63. ¢e3 ¤×a2 64. ¢×f2 =;
60. ¢×e5!
, und Felix stünde auf Gewinn!!! 60. ... f2 61. ¤d2 .

½–½

Was für ein Kampf! Gratulation für dieses Durchhaltevermögen bei maximaler Gegenwehr. Im Nachhinein hat dies das Mannschaftsremis eingebracht.

***

Daniel Tudosa (2007) — Lukas Müller (1959) [B13]

1. d4 ¤f6 2. ¤f3 c5 3. e3 d5 4. ¥e2 ¥f5 5. 0–0 c×d4 6. e×d4 ¤c6 7. c3 e6

[HGFEDCBA]
1-mKR+QvLNtR!
2zPPzPL+-zPP“
3-+N+-zP-+#
4+-+-zP-+-$
5-+l+p+-+%
6+-snp+n+-&
7pzpp+-+pzp‘
8tr-vlkwq-+r(
{hgfedcba}

Was soll man von so einer Eröffnung halten? Wahrscheinlich hofft Weiß darauf, dass der Nachziehende vor Lachen tot vom Stuhl fällt. Oder muss man das ernst nehmen?

8. £b3 £c8 9. ¥f4 ¥e7 10. h3 h6 11. ¦e1 0–0 12. ¤bd2 ¤e4

Eine interessante Idee wäre es hier analog zur Slawischen Verteidigung das Manöver 12. ... ¥d8 13. ¤e5 ¥c7 zu spielen.

13. ¤×e4 ¥×e4 14. ¤d2 ¥g6 15. ¥f1 ¥f6 16. ¤f3 £d7 17. £d1 a6 18. ¥d3 ¥×d3 19. £×d3 ¦ac8 20. ¥e5 ¤×e5 21. ¤×e5 ¥×e5 22. ¦×e5 b5=

Schwarz hat mühelos Ausgleich erreicht. Weiß wird versuchen mit f2–f4–f5 Schwächen im schwarzen Lager zu schaffen, während der Nachziehende dasselbe am Damenflügel probiert.

23. a3 a5 24. f4 b4!

Erster!

25. a×b4 a×b4 26. f5 e×f5 27. c×b4?! ¦c4 28. ¦a5 ¦×b4

Mutige Naturen gehen hier auf den weißen König los: 28. ... ¦c1+!? 29. ¢f2 (29. ¢h2? £c7! 30. g3 ¦c2+ 31. ¦e2 ¦×e2+ 32. £×e2 f4 µ) 29. ... £d8! 30. ¦c5 ¦h1 31. £g3 £b6 32. b5 £a5 33. £e3 £a1 34. ¢g3 ¦f1 35. £e2 f4+ 36. ¢h4 f3 37. g×f3 ¦g1 sieht sehr gefährlich aus für Weiß.

29. ¦a×d5 £a7

29. ... £c6!? (… ... £c1–f4) 30. ¦c5 (30. b3 £c1+ 31. ¢h2 £f4+ 32. ¢g1 ¦a8 ƒ) 30. ... £d7 31. ¦cd5, und entweder Zugwiederholung oder weiter wie in der Partie.

30. b3? g6! 31. £e3 £b8 32. £×h6 ¦×b3 33. ¦e1? £g3!

Lukas hat die Initiative übernommen, Weiß muss ums Überleben kämpfen.

34. £d2 ¦fb8 35. £f2 £g5 36. ¦de5?

Stellt einen wichtigen Bauern ein.

36. ¢h2, und mit ... ¦b2 oder ... ¦d3 kann Schwarz weiterkneten.

36. ... ¦×h3 37. ¦e8+ ¦×e8 38. ¦×e8+ ¢h7 39. £a2?

[HGFEDCBA]
1-mK-+-+-+!
2+P+-+-+Q“
3r+-+-+-+#
4+-+-zP-+-$
5-wqp+-+-+%
6+p+-+-+-&
7k+p+-+-+
8+-+R+-+-(
{hgfedcba}

Ein Trickversuch, der nach hinten losgehen sollte. Schwarz steht auf Gewinn.

39. ... £c1+! 40. ¢f2 £f4+ 41. ¢e2 £g4+ 42. ¢f2 £×d4+

Damit fällt der zweite Bauer mit Schachgebot. Der Rest ist Sache der Technik, wie es so schön heißt.

43. ¢e2 £g4+

43. ... £d7!
A) 44. ¦d8 (Schlagen auf h3 ist auch chancenlos) 44. ... £e7+ 45. ¢f1 (45. ¢f2 £e3+ 46. ¢f1 ¦h1#) 45. ... ¦h1+ 46. ¢f2 £e1+ 47. ¢f3 ¦f1+ 48. £f2 £×f2#;
B) 44. £a8 £d3+ 45. ¢f2 (45. ¢e1 ¦h1+ 46. ¢f2 ¦f1#) 45. ... £d4+! 46. ¢e2 (46. ¢f1 ¦h1+ 47. ¢e2 £d1+ 48. ¢e3 £c1+ 49. ¢e2 ¦e1+ 50. ¢f3 ¦f1+ 51. ¢e2 £c4+ 52. ¢e3 f4+ 53. ¢d2 ¦f2+ 54. ¢d1 £c2+ 55. ¢e1 £d2#) 46. ... £b2+ 47. ¢d1 £b1+ 48. ¢d2 (48. ¢e2 £c2+ 49. ¢e1 ¦h1#) 48. ... £d3+ 49. ¢c1 ¦h1+ 50. ¢b2 ¦b1+ 51. ¢a2 £b3#.

44. ¢f2 £g3+ 45. ¢g1 £h2+ 46. ¢f2 £f4+ 47. ¢e2 £g4+ 48. ¢f2 £d4+ 49. ¢e2 ¦h1 50. £×f7+ ¢h6 51. £b3 £g4+

51. ... f4 52. ¦e6 (52. ¢f3 ¦f1+ 53. ¢g4 f3+ 54. ¢g3 £f2+ 55. ¢g4 £×g2+ 56. ¢f4 £g5+ 57. ¢e4 £f5+ 58. ¢d4 £d7+ ) 52. ... f3+! 53. £×f3 £c4+ .

52. ¢d2 £×g2+ 53. ¦e2 £f1 54. £b2 £d1+

54. ... £×e2+! wäre das einfachste gewesen. Lukas sucht krampfhaft nach dem Matt und übersieht die einfache Lösung.

55. ¢e3 ¦h3+ 56. ¢f4 £a4+?!

56. ... £d6+! 57. £e5 (57. ¦e5 £d3, und Matt in zwei) 57. ... £b4+ .

57. ¢e5 £a5+

57. ... £e8+ 58. ¢d5 £d7+ 59. ¢c5 £c7+ .

58. ¢f6 £d8+ 59. ¢f7 £c7+ 60. ¦e7 £c4+!?

Und jetzt sollte Lukas einfach alle Schachgebote mittels 60. ... £c3!  unterbinden. Nebenbei droht ... £h7+ und ... ¦e3.

61. ¦e6 £c7+ 62. ¦e7 £c4+ 63. ¦e6 £c3?? 64. ¦×g6+ ¢h5 65. £e2+ £f3?? 66. £e6??

66. £e8! £b7+ 67. ¢g8 £d5+ 68. ¢h7 .

66. ... £b7+??

66. ... £b3 =.

67. ¢f6??

67. ¢f8! £b8+ 68. ¢g7, und Schwarz hat kein Dauerschach, weil 68. ... £c7+ (68. ... ¦f3 69. ¦h6+ ¢g4 70. £g6+ ¢f4 71. ¦h4+ ¢e3 72. £g1+ ) 69. ¢h8 £d8+ 70. ¦g8 für Weiß gewinnt.

67. ... £b2+ 68. ¢f7 £b7+??

68. ... £b3 =.

½–½

Ich hatte das deutliche Gefühl, dass Lukas je länger die Partie dauerte und sein Gegner einfach nicht aufgeben wollte, die Kraft fehlte. Konditionsschwäche zum einen. Zum anderen hat die nie endende Gegenwehr ihn mental zermürbt. Ein klares Anzeichen für mangelnde Spielpraxis gegen starke Gegner.

***

Die unglaublichste und kontrovers diskutierte Partie stammt von Lars. Wir konnten einfach nicht glauben, dass eine optisch so klar überlegene Stellung, keine klaren Vorteilsvarianten hervorbringen sollte. In den kurzen Analysen haben wir jedoch nichts wirklich konkretes gefunden. Ich versuche nachstehend, weitere Ideen zu entwickeln.

Lars Tebelmann (2008) — Werner Lux (1992) [A15]

1. ¤f3 ¤f6 2. c4 g6 3. g3 ¥g7 4. ¥g2 0–0 5. 0–0 d5 6. c×d5 ¤×d5 7. £b3

7. ¤c3 ist die Hauptvariante, wonach Schwarz viele Züge ausprobiert hat, am beliebtesten sind ... ¤c6 und ... c5.

7. ... c6 8. d4 ¤d7 9. e4 ¤5b6 10. a4

Sozusagen eine theoretische Neuerung, allerdings in einer Nebenvariante. Beim Zuschauen hatte ich den sehr angenehmen Eindruck, dass Lars seinen Gegner zusammenschiebt.

Ich konnte nicht glauben, dass man hier mit Schwarz a4–a5 zulassen darf ...

10. ... ¤f6?! 11. a5 ¤bd7 12. ¤c3

Stockfish gibt hier klaren Vorteil und für Leela ist die Partie bereits vorbei.

12. ... ¤b8 13. ¦d1 e6

[ABCDEFGH]
8rsnlwq-trk+(
7zpp+-+pvlp‘
6-+p+psnp+&
5zP-+-+-+-%
4-+-zPP+-+$
3+QsN-+NzP-#
2-zP-+-zPLzP“
1tR-vLR+-mK-!
{abcdefgh}

Eine pittoreske Stellung. Beim zwölften Zug hätte ich wahrscheinlich gefragt, ob er die Figur in die Grundposition für eine neue Partie hinstellt.

In der Tat muss Weiß jetzt einen Plan entwickeln, wie er seinen Vorteil konkretisieren möchte. Der Durchbruch im Zentrum mittels d4–d5 ist nicht durchschlagend und e4–e5 gibt das Feld d5 zur Blockade frei. Ansonsten hätten wir noch die allmähliche Verstärkung mit h3 und ¥e3 im Angebot oder weitere Expansion am Damenflügel.

Habe ich etwas vergessen?

Ja! Eine interessante Aufstellung gibt es noch. Ich kenne sie von meiner alten Liebe, dem Königsindischen Angriff.

14. h3

14. h4!? ¤bd7 15. £c2 £e7 16. e5 ¤d5 17. ¤e4 Das ist sozusagen die Grundform. Schwarz hat keine aktiven Züge und muss vermutlich 17. ... h6 ziehen und abwarten. 18. b3 ¦d8 19. ¥a3

r+ltr-+k+
zpp+nwqpvl-
-+p+p+pzp
zP-+nzP-+-
-+-zPN+-zP
vLP+-+NzP-
-+Q+-zPL+
tR-+R+-mK-

Das sieht doch gut aus, oder?

14. ... £e7 15. £c4?! ¦d8 16. b4

16. e5 käme wieder infrage. Zum Beispiel: 16. ... ¤e8 (16. ... ¤d5 17. ¥g5 f6 18. e×f6 ¥×f6 19. h4 ± ) 17. ¤e4 h6 18. g4ƒ … g4–g5 und auf den schwarzen Feldern operieren.

16. ... ¤a6 17. ¥a3

17. b5!? c×b5 18. £×b5 sieht gut aus.

17. ... £c7 18. ¦ac1 ¥f8 19. £b3 £e7 20. ¦b1 £c7

[ABCDEFGH]
8r+ltr-vlk+(
7zppwq-+p+p‘
6n+p+psnp+&
5zP-+-+-+-%
4-zP-zPP+-+$
3vLQsN-+NzPP#
2-+-+-zPL+
1+R+R+-mK-!
{abcdefgh}

Ich käme mir als Weißer ziemlich ver... vor. Geht Schach so? Einfach hin und her ziehen und alles wunderbar? Ich kann’s nicht glauben.

21. e5 ¤d5 22. ¤×d5 c×d5?! 23. b5 ¤b8 24. ¥×f8

24. ¦dc1!? £×a5 25. ¦a1 ¥×a3 26. ¦×a3 £b6 Das Bauernopfer war eigentlich ein Ablenkungsmanöver vom Königsflügel. Mit 27. £e3!

rsnltr-+k+
zpp+-+p+p
-wq-+p+p+
+P+pzP-+-
-+-zP-+-+
tR-+-wQNzPP
-+-+-zPL+
+-tR-+-mK-

droht schon schreckliches Ungemach. 27. ... ¢g7 (27. ... £×b5 28. £h6 ¤d7 29. ¤g5 ¤f8 30. ¦f3 ¦d7 31. ¦fc3 ¦d8 32. ¥f1 £b4 33. £h4 ¥d7 34. ¦f3 ¥e8 35. ¦c7 ist ein mögliches Angriffsszenario) 28. ¤h2! h5 29. £f4 ¤d7 30. g4‚, und ich glaube nicht, dass Schwarz den Angriff überleben wird.
Sofortiges 24. £e3 ist auch interessant. Der Bauer a5 ist jetzt natürlich tabu und Weiß erzwingt praktisch den Abtausch auf a3.

24. ... ¦×f8 25. £a3

Wieder wäre 25. £e3 interessant gewesen.

25. ... a6 26. b6 £d8 27. ¦dc1 ¤c6

[ABCDEFGH]
8r+lwq-trk+(
7+p+-+p+p‘
6pzPn+p+p+&
5zP-+pzP-+-%
4-+-zP-+-+$
3wQ-+-+NzPP#
2-+-+-zPL+
1+RtR-+-mK-!
{abcdefgh}

28. ¦c5

28. ¦×c6 musste natürlich geprüft werden. 28. ... b×c6 29. ¤e1!? ¥b7 30. ¤d3 f6 Die einzige Chance Gegenspiel zu erlangen. 31. £d6!? (31. ¤c5 £e7 32. e×f6 ¦×f6 33. £e3 ¦af8 34. f4 sieht furchtbar aus) 31. ... ¦f7 (31. ... £×d6 32. e×d6 ¦f7 33. ¤c5 ¦d8 34. ¥f1) 32. ¤c5 f×e5 33. £×e5, und die schwarze Stellung wird bald kollabieren.

28. ... £e7 29. £e3 ¢g7 30. ¤h2

Noch einmal ginge 30. ¦×c6 b×c6 31. ¤e1 c5 Ein anderer Versuch, sonst wird es ähnlich zur vorigen Variante. 32. d×c5 ¥b7 33. ¦c1 ¦ac8 34. ¤f3°. Das ist mehr als gute Kompensation.

30. ... h5 31. g4?!

31. ¥f1!? ¥d7 32. h4 ¦fc8 33. £f4 f6 34. ¤f3 f5 (34. ... ¤×d4 scheitert an 35. £×d4! £×c5 36. e×f6+ ¢h7 37. £f4‚)35. ¦bc1 sieht nach totaler Dominanz aus, wobei mir nicht ganz klar ist, wie man letztendlich durchkommt. Eine mögliche Verstärkung besteht darin, den Läufer nach a4 zu überführen und den Springer nach f4. Aber auch dann ist mir keine konkrete Lösung eingefallen.

31. ... ¥d7 32. g×h5 g×h5

[ABCDEFGH]
8r+-+-tr-+(
7+p+lwqpmk-
6pzPn+p+-+&
5zP-tRpzP-+p%
4-+-zP-+-+$
3+-+-wQ-+P#
2-+-+-zPLsN“
1+R+-+-mK-!
{abcdefgh}

33. f4?!

Hier wäre 33. ¤f3 wahrscheinlich besser. 33. ... ¦g8 34. ¢h2 ¦af8 35. ¦g1 (35. ¦bc1!? f6 36. ¥f1 f×e5 37. ¤×e5 ¤×e5 38. d×e5 £h4 39. £g3+ £×g3+ 40. f×g3 ¢h6 41. ¦c7 stellte einen aussichtsreichen Übergang ins Endspiel dar) 35. ... ¢h7 36. ¥f1 ¦×g1 37. ¢×g1 ¦g8+ 38. ¢h2, und die Stellung gefällt mir.

33. ... f5 34. ¤f3 ¢h6 35. ¤g5 ¦g8 36. ¢h2 ¦ac8 37. ¦bc1 ¦g7 38. ¥f3 ¦cg8 39. ¥e2 ¦a8 40. £f2

40. £f3 £e8 41. ¦×c6! b×c6 (41. ... ¥×c6 geht nicht wegen 42. ¤×e6! ¦g8 43. ¤c7) 42. b7 ¦b8 43. ¦b1.

40. ... £e8 41. ¦g1 ¦c8 42. £e3 £e7 43. ¦gc1

[ABCDEFGH]
8-+r+-+-+(
7+p+lwq-tr-
6pzPn+p+-mk&
5zP-tRpzPpsNp%
4-+-zP-zP-+$
3+-+-wQ-+P#
2-+-+L+-mK“
1+-tR-+-+-!
{abcdefgh}

Hier wurde die Partie Remis gegeben. Gibt es einen Gewinnplan für Weiß?

43. ¦gc1 £e8 44. ¦g1 £e7 (damit haben wir die Stellung vor dem 43. Zug wiederhergestellt) 45. £f3 und jetzt:

A) 45. ... ¥e8 46. £g3 £d7 47. ¥d1 £e7 (47. ... ¤×d4? 48.¦×c8 £×c8 49. ¤f7+ ¦×f7 50. £g6#) 48. ¥a4 ¥d7 49. ¥×c6 ¥×c6 (49. ... ¦×c6 50. £c3 ¦×c5 51. £×c5 £×c5 52. d×c5 ¦e7 53. ¤f3 ¦e8 54. ¢g3,

-+-+r+-+
+p+l+-+-
pzP-+p+-mk
zP-zPpzPp+p
-+-+-zP-+
+-+-+NmKP
-+-+-+-+
+-+-+-tR-

und wenn ich mich nicht sehr täusche, ist das Endspiel gewonnen für Weiß) 50. ¦cc1 ¦cg8 51. £c3 ¦c8 52. £c5 £×c5 53. ¦×c5 ¦e8 54. ¢g3 ¦ge7 55. ¢h4 ¦g7 56. ¦gc1 ¦ge7 57. ¦×c6 b×c6 58. ¦×c6 ¢g6,

-+-+r+-+
+-+-tr-+-
pzPR+p+k+
zP-+pzPpsNp
-+-zP-zP-mK
+-+-+-+P
-+-+-+-+
+-+-+-+-

und der Gewinnplan besteht in der Überführung des Königs oder des Springers nach c5;

B) 45. ... £e8 46. £f2 £e7 47. £h4

B1) 47. ... ¥e8 48. ¥d1 ¦g8 49. ¥a4 ¥d7

B1a) 50. ¥×c6

B1a1) 50. ... ¥×c6 51. £g3 ¦g7 52. ¦c2 ¦gg8 53. ¦gc1 ¦g6 54. £c3 ¥d7 55. £b2 ¦×c2+ 56. ¦×c2 ¦g8 (56. ... ¥c6 57. ¦×c6 b×c6 58. b7 ) 57. ¦c7 ¦b8 58. £c3 ;

B1a2) 50. ... ¦×c6 51. ¦×c6 ¥×c6 52. £g3 ¦g6 53. £c3 ¦g8 54. £c5 ¦e8 (der Tausch auf c5 ergibt ein ähnliches Endspiel wie in Variante A)

-+-+r+-+
+p+-wq-+-
pzPl+p+-mk
zP-wQpzPpsNp
-+-zP-zP-+
+-+-+-+P
-+-+-+-mK
+-+-+-tR-

55. £×e7 ¦×e7 56. ¢g3 ¥d7 57. ¦c1 ¥c6 58. ¢h4 ¢g6 59. ¤f3 mit Gewinn;

B1b) 50. ¦g2 ist auch sehr interessant, z. B. 50. ... ¦g7 (50. ... ¤×d4 51. ¥d1! £e8 52. ¥×h5! und baldiges Matt) 51. £g3 ¦gg8 52. ¥×c6 ¥×c6 (52. ... ¦×c6? 53. ¦×c6 ¥×c6 54. ¤f7+ ) 53. ¦c1 ¦g7 54. £c3, und Weiß bekommt die Dame nach c5 wie im 52. Zug von Variante A, weil 54. ... ¥d7 an 55. £×c8! scheitert. 55. ... ¥×c8 56. ¦×c8 ¦h7 57. ¤×h7 ;

B2) 47. ... £e8 48. ¦gc1 £g6 (48. ... ¤×d4 scheitert an 49. ¦×c8 ¥×c8 50. ¦×c8) 49. ¦1c3 ¦cg8 50. ¦g3 ¤×d4 51. ¤e4 (51. ¥d1!?) 51. ... d×e4 52. ¦×g6+ ¦×g6 53. £×h5+ ¢g7 54. ¦c7 ¢f8 55. ¥g4! .

½–½

***

Zur folgenden Partie habe ich schon genug gesagt, aber gut, stochern wir noch etwas in der Wunde …

Wilfried Groenegress (1996) — Martin Lerch (2014) [C10]

1. e4 e6 2. d4 d5 3. ¤c3 ¥b4 4. e×d5 £×d5?!

Bizarr ...

5. ¤f3 b6 6. ¥d3 ¥a6

Wenn man im Schach immer auf diese brutale Art alle Stellungsprobleme lösen könnte ...

7. 0–0 ¥×c3 8. b×c3 ¤f6 9. ¦e1 0–0 10. ¥×a6 ¤×a6

[HGFEDCBA]
1-mK-tRQvL-tR!
2zPPzP-+P+P“
3-+N+-zP-+#
4+-+-zP-+-$
5-+-+q+-+%
6+-snp+-zpn&
7pzpp+-zp-zp‘
8+ktr-+-+r(
{hgfedcba}

Schwarz hat feuchte Träume, dass er eines Tages den schlecht stehenden Springer wieder ins Spiel zurückführen und gleichzeitig die Kontrolle über c4 behalten kann. Träume, die niemals wahr werden.

Abgesehen davon, hat Weiß einen Monsterläufer, der kein Gegenüber besitzt, die starke halboffene e-Linie und den starken Vorposten e5. Pfuideibel.

11. £d3± £b7?

Die Dame zieht sich vorsichtshalber aus dem Zentrum zurück, damit Weiß freie Bahn hat.

12. ¥g5 ¤d7?

Das verliert praktisch bereits die Partie. Die nächsten drei Züge von Weiß sind naheliegend und hätten Schwarz eine Warnung sein sollen, aber dieser hatte wohl suizidäre Absichten.

12. ... ¤d5 nicht gut, aber das Einzige. 13. c4 (13. ¦e4!? c5 14. ¦h4

-mK-+-+-tR
zPPzP-+P+P
-+N+QzP-+
tR-+-zP-+-
-vL-+nzp-+
+-+p+-zpn
pzpp+-+qzp
+ktr-+-+r

ergäbe eine schöne Angriffsstellung) 13. ... ¤db4 14. £d2 ±/, und der Figurenklumpen am Damenflügel kann mich nicht überzeugen.

13. ¥e7! ¦fe8 14. ¤g5 g6 15. £h3 h5

[HGFEDCBA]
1-mK-tR-+-tR!
2zPPzP-+P+P“
3Q+-+-zP-+#
4+-+-zP-+-$
5psN-+-+-+%
6+p+p+-zpn&
7-+pvLnzpqzp‘
8+k+r+-+r(
{hgfedcba}

Der Abstich ist nicht schwer zu sehen.

16. ¦×e6! £d5

Die Aussage eines mir bekannten Herrn, dass Schwarz das alles so hat kommen sehen und mit dem letzten Zuge der Überzeugung war, damit die Stellung halten zu können, erscheint mir angesichts des Trümmerhaufens von Königsstellung mehr einem zügellosen Priapismus als einer realistischen Einschätzung der Lage entsprungen.

17. ¦e3

17. £d3!? (interessant, aber unnötig) 17. ... £f5 (17. ... ¦×e7 18. ¦×e7 £×g5 19. ¦×d7 geht nach wie vor nicht) 18. £×f5 g×f5 19. ¦e3 .

17. ... ¤ab8

Wie anderweitig schon angemerkt, will wohl die Figuren für eine neue Partie aufstellen.

18. ¦ae1 ¦×e7?

Tja, dazu fällt mir dann nichts mehr ein.

19. ¦×e7 £×g5 20. £f3 1–0

***

Thomas kann’s nicht lassen. Keiner spielt so gern mit dem Feuer wie er. Dieses Mal hat er sich nicht die Finger verbrannt!

Thomas Tibitanzl (1962) — Wilfried Zellweger (1862 [D44]

1. d4 d5 2. ¤f3 ¤f6 3. c4 c6 4. ¤c3 e6 5. ¥g5 d×c4 6. e4 b5

Heiliger Strohsack, die Botvinnik-Variante. Wie beide Spieler wahrscheinlich wissen, reichen die forcierten Varianten weit über den dreißigsten Zug und führen laut Shirov zum Remis.

7. e5 h6 8. ¥h4 g5 9. ¤×g5 h×g5 10. ¥×g5 ¤bd7 11. g3

11. e×f6 ¥b7 12. g3 c5 lautet die Hauptvariante wie sie von Carlsen, Aronian, Kasparov und Topalov auf weißer Seite und Kramnik, Ivanchuk und Shirov auf schwarzer Seite gespielt wird.

11. ... £b6

11. ... ¥b7 12. ¥g2 £b6 13. e×f6 ergibt Zugumstellung.

12. e×f6 ¥b7 13. ¥g2 c5

13. ... 0–0–0 14. 0–0 c5 15. d5 b4 16. ¤a4 £b5 17. a3! ist die Hauptzugfolge.

14. d×c5

Die meisten spielen hier 14. d5, was nach 14. ... 0–0–0 zur Hauptvariante führt.

14. ... ¥×c5 15. 0–0 0–0–0 16. £e2 ¥d4 17. ¥×b7+?!

17. a4!?

17. ... £×b7 18. £e4?

18. a4 ¤e5 19. ¤e4 ¥×b2 20. ¦ab1 c3÷ mit den üblichen Schweinereien.

18. ... ¤e5! 19. £×b7+ ¢×b7 20. ¢g2 b4 21. ¤a4  µ

[ABCDEFGH]
8-+-tr-+-tr(
7zpk+-+p+-
6-+-+pzP-+&
5+-+-sn-vL-%
4Nzppvl-+-+$
3+-+-+-zP-#
2PzP-+-zPKzP“
1tR-+-+R+-!
{abcdefgh}

Bis hierhin hat Schwarz seinen Botvinnik tadellos hinbekommen. Weiß steht sehr kritisch und der Mehrbauer spielt (noch) keine Rolle.

21. ... ¤d3?!

Naheliegend, aber es gibt bessere Züge.

21. ... ¢c6! Damit würde Schwarz unterstreichen, dass das Pferdchen heute nicht mehr ausreiten darf. 22. ¦ab1 ¤g4 (22. ... ¤d3 führt zur Partiestellung nach dem 22. Zug) 23. h4 ¥×f6 µ.

22. ¦ab1?

22. ¦ad1! ¢c6 (22. ... ¤×b2 23. ¦×d4 ¦×d4 24. ¤×b2 c3 25. ¥e3! ¦d5 26. ¤a4 ¢c6 27. ¦b1 a5 ÷) 23. b3 ¢b5 ÷ mit interessanten Verwicklungen.

22. ... ¢c6 23. h4 ¦d5?!

23. ... e5!? µ; 23. ... ¥e5!? (damit der König nach b5 kommt, ohne von ¤c3+ gestört zu werden) 24. b3 c3 µ.

24. f4? ¦a5?

24. ... a5 25. ¦f3 ¥a7 26. a3 (26. ¦d1 ¤×f4+ 27. ¦×f4 ¦×d1 28. ¦×c4+ ¢d6 ) 26. ... ¢b5 ;
Mit 24. ... ¦e8!?

-+-+r+-+
zp-+-+p+-
-+k+pzP-+
+-+r+-vL-
Nzppvl-zP-zP
+-+n+-zP-
PzP-+-+K+
+R+-+R+-

die letzte Figur ins Spiel zu bringen, hätte wahrscheinlich den ganzen Punkt eingebracht. Die weißen Figuren stehen hilflos herum. 25. h5 e5 26. ¦bd1 e×f4 (26. ... e4 27. ¦d2 ¢b5 28. b3 c3 ) 27. g×f4 ¦e2+ (27. ... ¤×b2 28. ¤×b2 ¥×b2 ) 28. ¢f3 ¦e3+ 29. ¢g4 ¢b5 30. b3 c3 .

25. b3 c3??

25. ... ¦d8! µ.

26. ¦bd1

Dreht die Partie.

26. ... ¦d5 27. ¦×d3 ¦hd8 28. ¦c1 1–0

Fazit: Guter Mannschaftsgeist, schlechte Qualität. Nicht aufstiegswürdig. Die anschließende Analyse beim Italiener spricht für unseren verbesserten Mannschaftsgeist, allein die Spielstärke müsste sich steigern. Aber ich weiß von keinem Kollegen über viel Spielpraxis. Woher dann nehmen? Importieren?

* Aus Confessions of an English Opium-Eater, And Suspiria De Profundis von Thomas De Quincey. Boston: Ticknor and Fields 1864, p. 233.
** Also eine alkoholbedingte Amnesie auch als Filmriss bekannt.

   
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